GOOD MORNING, VIENNA
James Ian MacAnderson
Morgens, wenn die Stadt schon ein bisschen pulsiert, liegt ein warmes Sommerlicht über Wien,
das sich in den Schaufenstern bricht und die Straßen wie eine Bühne aussehen lässt.
Die ersten Straßenbahnen ziehen ihre Linien.
Ein vertrautes Rattern, ein helles Klingeln.
Menschen strömen aus den Gassen wie Gedanken, die sich gerade sortieren.
Ich mag diese frühen Stunden, in denen die Stadt nicht mehr schläft, aber noch nicht rennt. Radfahrer gleiten über den Asphalt, ein Barista ruft „Guten Morgen!“ und stellt den ersten Verlängerten auf die Theke, während jemand draußen mit einem Croissant in der Hand die Sonne testet, als wäre sie ein Versprechen.
Die Luft trägt den Duft von Gebäck, Sommerwind und ein bisschen Abenteuer. Ein Hund zieht neugierig an der Leine, ein Lieferwagen hält kurz an, und zwei Freunde lachen über etwas, das ich nicht höre,
das aber trotzdem gut klingt.
Wenn die Sonne höher steigt, bekommen die Hausfassaden eine goldene Wärme, die alles ein bisschen weicher macht. Schüler radeln zur Schule, Menschen mit Kopfhörern gehen im Rhythmus ihrer Musik,
und aus einem offenen Fenster klingt ein Song, der den Moment begleitet, ohne ihn zu stören.
Wien hat am Morgen diese Art von Lebendigkeit, die jung wirkt, offen, freundlich – als würde die Stadt sagen: „Schau dich um – heute passiert etwas Schönes.“